espero, Nr. 9/10 (Herbst 2024)

Herausgegeben von Markus Henning, Jochen Knoblauch, Rolf Raasch und Jochen Schmück. Potsdam: Libertad Verlag, Herbst 2024, ca. 420 Seiten, E-Zine (PDF). ISSN (Online): 2700-1598; Open Access (Kostenloser Download voraussichtlich am 15.10.2024).

Vorschau

Bedingt durch die Verschiebung unseres Erscheinungstermins können wir noch maximal ein bis zwei weitere Beiträge in unserer Herbstausgabe der espero aufnehmen. Interessierte Autor:innen werden gebeten, uns ihre Vorschläge (möglichst mit Exposé) bis zum 15. Juni 2024 an die Redaktionsadresse:  zu senden.
espero, Nr. 9/10: Die neue Herbstausgabe,
ca. 420 Seiten, erscheint im Oktober 2024.

Unsere im Herbst erscheinende Doppelnummer espero, Nr. 9/10 ist die zehnte Ausgabe unserer undogmatisch-libertären Zeitschrift espero, die seit Januar 2020 in neuer Folge als Open Access E-Zine erscheint. Wir haben also ein kleines Jubiläum zu feiern.

Seitdem hat sich espero zu einer der meistgelesenen libertären Zeitschriften im deutschsprachigen Raum entwickelt. Allein vier der neun bislang erschienenen Ausgaben wurden inzwischen mehr als 10.000 Mal von unserer Homepage heruntergeladen, und auch im fremdsprachigen Ausland haben wir viele Leser:innen, die unsere undogmatisch-libertäre Zeitschrift schätzen und abonniert haben.

Und es gibt noch ein weiteres Jubiläum zu feiern: Den 100. Geburtstag von Colin Ward (1924-2003), der in den 1960er Jahren in England den modernen pragmatischen Anarchismus begründete, in dessen Tradition sich auch die Zeitschrift espero sieht. Wir freuen uns sehr, seinen Geburtstag mit einem Aufsatz der britischen Historikerin und Colin-Ward-Biografin Sophie Scott-Brown gebührend würdigen zu können. In der Tradition des pragmatischen Anarchismus von Colin Ward steht auch Ulrich Klemm, der vielen unserer Leser:innen durch seine Veröffentlichungen zur libertären Pädagogik bekannt sein dürfte. Mit seinem Beitrag stellt er eine moderne Theorie libertärer Vergesellschaftung vor, indem er interdisziplinäre Überlegungen und Begründungen zum Anarchismus als Egalitarismus im Gegensatz zum Etatismus bündelt und für eine theoretische Diskussion fruchtbar macht.

Ein zweiter thematischer Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich dem Konflikt zwischen Israel und Palästina aus libertärer Sicht. Der deutsche Historiker und Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hannover, Kay Schweigmann-Greve, macht in seinem Beitrag deutlich, dass der libertäre jüdische Philosoph und Vordenker der Kibbuz-Bewegung Martin Buber diesen seit der Staatsgründung Israels bestehenden Konflikt in einem binationalen Modell der Verständigung und Kooperation zwischen Juden und Arabern zu überwinden suchte. Auch der jüdisch-amerikanische Anarchist Fredy Perlman und der israelische Anarchist Uri Gordon setzen sich in ihren Beiträgen mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinander und versuchen, libertäre Ansätze zu seiner Lösung aufzuzeigen.

Ein dritter Schwerpunkt dieser Ausgabe beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Anarchismus und Punk-Bewegung. Die argentinische Anarchistin Mariana Calandra beschreibt in ihrem Beitrag das Verhältnis der anarchistischen Bewegung zur Punk-Kultur in Südamerika. Eine europäische Perspektive auf die Punk-Kultur und ihre Affinitäten zum Anarchismus nimmt hingegen der deutsche Anarchismusforscher Peter Seyferth in seinem Aufsatz ein, in dem er seine eigenen Erfahrungen in der deutschen Punk-Szene schildert und einige ihrer Texte analysiert.

Es folgt eine „bunte Mischung“ von Beiträgen zu unterschiedlichen Themen. So beschreibt Uri Gordon in einem weiteren Beitrag Leben und Werk Fredy Perlmans, den er neben Noam Chomsky und Murray Bookchin zu den drei großen Gründungsgestalten des neuen Anarchismus in den USA zählt, wie er sich dort seit den 1960er Jahren herausgebildet hat. Der libertäre Biologe und Kropotkin-Experte Stephan Krall beschäftigt sich mit Kropotkins Beiträgen in der Zeitschrift Nineteenth Century, die von der Forschung bisher nur sehr oberflächlich rezipiert wurden. Der Dadaismus-Experte und Hugo-Ball-Spezialist Thomas Keith präsentiert in seinem literarisch-philosophischen Beitrag einen Dialog über Theokratie als Anarchie, der sich auf die anarchische Hochkultur der Richterzeit im vorköniglichen Israel bezieht. Und last but not least stellt Ewgeniy Kasakaow in seinem Beitrag den russisch-georgischen Anarchisten Nestor Kalandarischwilli (1876-1922) vor, der während des Russischen Bürgerkriegs in Sibirien als Partisan agierte.

Inhaltlich beschließen wir die Herbstausgabe mit Rezensionen aktueller Neuerscheinungen. Markus Henning stellt die Aufsatzsammlung Unterwegs in die Stadt der Zukunft vor, in der urbane Gemeinschaftsgärten als wichtige Orte der sozial-ökologischen Transformation von Städten auf der Grundlage theoretischer Analysen mit Fallstudien zu konkreten Gemeinschaftsgarten-Projekten beschrieben werden. Und das trifft sich gut, denn da Colin Ward als einer der herausragenden libertären Pioniere des Urban Gardening gilt, darf Hennings Rezension durchaus als weiterer Beitrag zu dessen diesjährigen 100. Geburtstag gelesen werden. Maurice Schuhmann bespricht das Buch Anarchafeministisches Manifest von Chiarra Bottici und Jan Pauls rezensiert den Sammelband Anarchistische Gesellschaftsentwürfe, dessen Autor:innen Antworten auf die Frage zu geben versuchen, wie eine herrschaftsfreie, demokratische Ökonomie organisiert werden könnte. Rolf Raasch stellt das Buch Bürokratie – Die Utopie der Regeln von David Graeber sowie den 1. Band der Gesammelten Schriften von Bernd Kramer vor. Stephan Krall bespricht abschließend das Buch Staat, Fortschritt, Anarchie mit Schriften von Élisée Reclus (1830-1905), in denen der französische Anarchist und Geograf durch die Verbindung von anthropologischen, politischen und ökologischen Ansätzen ein erstaunlich aktuelles Verständnis des Anarchismus präsentiert.

Das espero-Redaktionskollektiv
Markus Henning, Jochen Knoblauch, Rolf Raasch und Jochen Schmück
in Berlin, Frankfurt am Main und Potsdam

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